Pressemitteilung - 14.09.2013

Demografischer Wandel als unternehmerische Chance

Mit vorausschauender Personalpolitik und neuen Angeboten für veränderte Zielgruppen in die Zukunft

“Unternehmen, denen es gelingt, die in Hamburg lebenden Migrantinnen und Migranten sowie Fachkräfte aus dem Ausland zu integrieren, werden in den kommenden Jahren die Nase vorn haben.“ Dies betonte Dr. Thomas M. Schünemann, Vizepräses der Handelskammer Hamburg, am Samstag bei der Eröffnung des Hamburger Unternehmerinnentags 2013 in der Handelskammer. Vor allem für die weiblich geführten Unternehmen liege hier eine große Chance: „Unternehmerinnen zeichnen sich häufig durch eine besondere Offenheit aus und wissen aus eigener Erfahrung, was es heißt, ungewohnte Sicht-weisen in ihre unternehmerische Strategie zu integrieren“, erklärte Schünemann weiter. 160 Unternehmerinnen trafen sich in der Handelskammer zum 7. Hamburger Unternehmerinnentag, um unter dem Motto „weniger – länger – bunter“ über die unternehmerischen Chancen des Demografischen Wandels zu diskutieren.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen liegen vor allem im „weniger“ von Fachkräften. „Unsere aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern des VdU und Entscheidern in mittelständischen Unternehmen hat ergeben, dass schon heute fast ein Drittel der Unternehmen Schwierigkeiten hat, offene Stellen zu besetzen“, sagte Mitinitiatorin Kristina Tröger, Vorsitzende des VdU Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein. „Dies gilt vor allem bei Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung, gefolgt von Problemen bei der Besetzung von Stellen für Fach- und Führungskräfte mit Hochschulabschluss.“

Durch den kontinuierlichen Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung werden sich diese Schwierigkeiten in den kommenden Jahren verschärfen. „Bis 2030 wird der Anteil der 20- bis 64-Jährigen an der Hamburger Bevölkerung von 64,2 in 2010 auf 59,7 Prozent in 2030 zurückgehen“, prognostizierte Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin beim HWWI Hamburgischen WeltwirtschaftsInstitut, in ihrem Impulsvortrag. Diese Lücke werde durch die sukzessive Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2029 nur zum Teil geschlossen. „Lebensverlaufsorientierte Personalpolitik“ heißt eine der Strategien, die Christina Boll in ihrem Statement für Unternehmerinnen und Unternehmer empfahl. Dahinter stecke nicht nur die Aufgabe, jungen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Realisierung ihrer Kinderwünsche zu ermöglichen. Auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sei eine Herausforderung, auf die die Betriebe pro-aktiv Antworten geben sollten. Die Zahl der Pflegebedürftigen werde 2030 um 28 Prozent höher liegen als in 2009.

Bei der Teambildung bewusst auf Diversität und die Integration älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen, ist eine andere Strategie. Nicht nur, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse erzielen. Es gilt auch, die Berufserfahrung und das Wissen der langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen zu halten und für den Wissenstransfer zu sorgen. Von öffentlicher Seite und von Stiftungen wurden inzwischen Förderprogramme aufgelegt, die die Personalentwicklung fördern. „Das Programm ‚unternehmensWert:Mensch’ etwa, das kleine und mittlere Unternehmen mit ESF-Mitteln auf der Ebene der Personalsicherung unterstützt und Mitarbeiter sowie Mitarbeiterinnen einbezieht, setzt genau dort an“, bemerkte Gila Otto, Geschäftsführerin von Frau und Arbeit e.V., die selbstständige Frauen in der Phase des Unternehmensaufbaus und der Unternehmenssicherung berät. „Gefördert werden Beratungen, Coachings und Workshops, in denen maßgeschneiderte Lösungen für die personellen Anforderungen des Unternehmens entwickelt werden. Gesundheitsförderung, flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mögliche Themen.“

Doch die Chancen des demografischen Wandels liegen nicht nur in den Wettbewerbsvorteilen, die Unternehmen durch vorausschauende Personalgewinnung und -bindung erreichen. „Viele Veränderungen werden typische Frauendomainen wie den Gesundheitsbereich und personennahe Dienstleistungen betreffen und Raum für Nischenprodukte und -dienstleistungen wie auch Spezialisierungen bieten“, betonte Anette Handt, Gremienbeauftragte der Regionalgruppe Nord von Schöne Aussichten – Verband selbständiger Frauen e.V. „Hier ergeben sich gute Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmerinnen, die mit ihren Zielgruppen im engen Kontakt stehen und ohne lange Abstimmungsprozesse auf neue Bedürfnisse reagieren und Angebote anpassen oder erweitern können.“